Offener Brief
aufgrund neonazistischer Drohbriefe an junge Flensburgerin


Liebe Leserinnen und Leser
aus der Stadt Flensburg und dem
Kreis Schleswig-Flensburg,
 
unsere 20-jährige Mitstreiterin Charlotte D. ist vor einigen Wochen in den Fokus von Neonazis geraten. Charlotte ist seit 2007 Mitglied im SprecherInnenrat des Jugendverbandes Fördebande und engagiert sich dort für jugendpolitische und jugendkulturelle Belange. Sehr wahrscheinlicher Auslöser der massiven Drohgebärden ist ihr zivilcouragiertes Verhalten gegenüber eines Neonazis.
Auf dem Heimweg von Flensburg nach Nordhackstedt spricht Charlotte am 18. November 2009 in einem Linienbus einen jungen Mann an, der Kleidungsstücke einer rechtsextremen Marke trägt. Sie will in Erfahrung bringen, ob der Mann diese Kleidung aus politischer Überzeugung trägt oder in Unwissenheit über den politischen Hintergrund der Marke. Der Mann macht schnell deutlich, dass es sich um kein Versehen handelt und zeigt Charlotte einen in Deutschland verbotenen Schlagring, um seine Kampfbereitschaft zu demonstrieren. Angesichts der Bedrohung endet hier das Gespräch. Charlotte stellt zu ihrem Erschrecken noch fest, dass der Mann ebenfalls aus der Gemeinde Nordhackstedt kommt und dort kein Unbekannter ist.
Nach dieser Begegnung patrouillieren mehrmals vermummte Männer vor dem Haus, in dem Charlotte mit ihrer Schwester und zwei Kindern im Alter von 2 und 6 Jahren lebt. Es wird nachts geklingelt und Charlotte findet im Briefkasten neonazistische Aufkleber. Der erste Drohbrief kommt am 25. November. Die anonymen Verfasser schreiben: "Wir wissen wer du bist. Halt deine Klappe sonst drehen wier die Zeit zuruck. (.) Wir kennen auch deine Schwester und ihre Kinder Hendrik und Leif." (Fehler im Original, Namen geändert)

Charlotte macht sich große Sorgen um ihre Familie, ist aber gleichzeitig froh, dass ihr Umzug nach Flensburg kurz bevor steht und somit zumindest die Familie aus dem Visier gerät. Um den Vorfall nicht unbeantwortet zu lassen, gehen Charlotte und ihre Schwester noch am 25. November zur Polizei in Schafflund. Dort schickt man die beiden ohne die Aufnahme einer Anzeige wieder fort, da die Polizeibeamten in den Feierabend wollen.
Fünf Tage später startet Charlotte einen neuen Versuch. Dieses Mal lehnen die Beamten die Aufnahme einer Anzeige ab, da sie in die Mittagspause gehen wollen. Es gibt auch keine Ratschläge, wie Cora weiter vorgehen solle. Entsetzt über die Ignoranz der Schafflunder Polizei, sieht Charlotte von einer Anzeige ab. Ihre Hoffnung durch die Polizei Schutz zu erfahren hat sich erledigt.

Am 30. November zieht Charlotte nach Flensburg. Es dauert 10 Tage, dann klopft es gegen 9 Uhr morgens an der Haustür. Statt jemanden anzutreffen, findet sie einen weiteren Drohbrief, der unter die Tür durch geschoben wurde. Die offensichtlich gleichen Verfasser werden deutlicher: "Wir sagen es ein letztes Mal. Halt dein Maul. Sonst wird Blut flissen und swar deins" (Fehler im Original).

Die Hoffnung, dass die Drohungen mit dem Umzug enden sind dahin, die Angst vor einem Überfall ist wieder akut. Der SprecherInnenrat der Fördebande hat Charlotte deutlich gemacht, dass wir sie mit den schweren Anfeindungen, Drohungen und persönlichen Belastungen nicht alleine lassen werden. Ein Angriff auf sie, ist auch ein Angriff auf unseren Verband. Wir werden auf die perfiden Drohungen gegen Charlotte und ihr Familie nicht mit Schweigen reagieren, sondern suchen die Öffentlichkeit, um Unterstützung zu erfahren.

Mit diesem Offenen Brief wollen wir den Vorfall publik machen und die Täter aus der Anonymität holen. Außerdem wollen wir erreichen, dass die Polizei sich endlich aufgefordert fühlt Ermittlungen anzustellen. Es ist traurig, dass es augenscheinlich dafür öffentlichen Druck bedarf.

Unsere weiteren Schritte:
Nachdem wir diesen Brief an unsere Ansprechpartner aus Politik und Jugendarbeit gesendet haben, suchen wir das Gespräch mit der Lokalpresse. Danach führt uns der Weg erneut zur Polizei.

Unsere Bitte an euch / Sie:
Macht den Vorfall in euer Organisation, euer Partei oder euer Einrichtung bekannt. Helft mit Öffentlichkeit zuschaffen, damit sich die Täter beobachtet fühlen, von ihren Aktionen ablassen und bestenfalls überführt werden können.

Für eine solidarische und antifaschistsiche Stadtkultur,

Fördebande

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